Korallen fragmentieren

Unser Aquarium läuft super, die Korallen wachsen, den Fischen geht es gut....Eigentlich läuft alles nach Plan!!!
Und doch......schneller als erwartet wird es zu eng in unserem Glaskasten.
Durch den unterschiedlichen Wachstum der verschiedenen Tiere kommt es zu ungewollten Berührungen, bei denen leider ein Tier den Kürzeren zieht und verletzt wird, teilweise sogar ganz degeneriert.
Andere Korallen wachsen schneller als wir wollen und nehmen Raum in Anspruch, der nicht geplant war.

Trotz gründlichster Planung des Besatzes wird uns dieses Problem irgendwann mal beschäftigen.

Was tuen?

Möglichkeit 1
Wir lassen unser kleines Biotop entscheiden (wenn man es so sagen kann) und nehmen Verluste in Kauf?
Das wäre eine Möglichkeit, die unser Becken früher oder später zu einem Artenbecken werden lässt, denn die stärkeren Korallen setzten sich durch.
Je mehr Korallenmasse einer Art im Becken ist, desto schneller und besser wachsen gerade diese Arten und verdrängen so artfremde Tiere.

Möglichkeit 2
Wir werden gärtnerisch tätig und versuchen so, in unserem Aquarium eine größt mögliche Artenvielfalt zu erreichen.
D.h. wir machen eigene Ableger...und nehmen damit ein wenig Einfluss auf Größe und Wuchsform unserer Tiere.
Ein großer Vorteil ist hier natürlich, dass wir unsere Ableger an andere Aquarianer weitergeben können.
So ärgert sich zwar der Handel, aber die Preise bleiben erschwinglich und die Natur wird ein wenig geschont.


Da wir hier nicht von allen erdenklichen Tieren Ableger machen können, haben wir uns bestimmte Tiere ausgesucht, wo die Methode gut übertragbar auf andere/ähnliche Arten und Strukturen ist.
Schneiden, sägen, dremeln, brechen.........der Phantasie sind wenig Grenzen gesetzt....;-)

Im folgenden Bild haben wir versucht, alle nötigen Werkzeuge mal zu zeigen. Natürlich gibt es weitere Möglichkeiten Ableger zu machen. Aber diese Werkzeuge sollten leicht zu besorgen sein oder sogar schon in Euren Garagen auf ihren Einsatz warten.


Material:
-2x Behälter
-Ablegersteine (je nach Ablegerart)
-Handschuhe
-Schnittfeste Unterlage
-Hammer
-großen Schlitzschraubendreher
-Meißel
-Skalpell
-Pinzette
-Korallenzange / Seitenschneider
-Dremel oder Ähnliches
-Korallenkleber
-alternativ Riffmörtel
-Gummis
-Schutzbrille/Mundschutz (hier nicht abgebildet!)

Achtung!!! Bitte beachtet bei der Arbeit mit lebenden Tieren, dass unser Körper nicht alle Nesselgifte oder Abwehrstoffe lustig findet. Allergische Reaktionen können im schlimmsten Fall auf der Intensivstation im Krankenhaus enden.
Solltet Ihr nicht wissen wie Euer Körper reagiert oder solche Arbeiten zum ersten Mal machen, nutzt mindestens Schutzhandschuhe. Zusätzlich kann eine Schutzbrille auch nicht schaden.

Alle genutzten Werkzeuge sollten nach Gebrauch sorgfältig mit Wasser gereinigt und abgespült werden. Salzwasser ist sehr aggressiv und lässt fast jedes Metall rosten.


Los gehts...




Ableger von Tieren mit weicher Struktur...
Beispiel: Xenien, Briareum und Sinularia
Diese Tiere können problemlos mit einem scharfen Küchenmesser oder Skalpell abgeschnitten und an einem Ablegerstein fixiert werden. Sollte hier Substrat stören, kann eine Korallenzange oder Seitenschneider hilfreich sein.
Hier macht der Einsatz von Sekundenkleber (Gel) oder Gummis am meisten Sinn.
Alternativ können viele Weichkorallen mit einem Zahnstocher durchspießt und die Enden mit Gummis fixiert werden.
Sobald das Tier an den Ablegerstein angewachsen ist, können die Gummis entfernt werden.







Ableger von Tieren mit Kalkskelett
Beispiel: Euphyllia, Stylophora, Seriatopora und Acanthastrea
Diese Tiere können mit einer Zange (Korallenzange/Seitenschneider) oder einem Dremel vom Mutterstock getrennt werden. Wenn möglich, sollten wir versuchen, so wenig wie möglich in gesundem Gewebe zu schneiden. (nicht immer zu vermeiden!)
Bei dünnerem Skelett kann der Ableger auch mit den Fingern oder einer Pinzette abgebrochen werden.
Um die Tiere zu fixieren, nehmen wir einen Ablegerstein (mit Vertiefung) und Zweikomponentenkleber auf Epoxidharzbasis.











Ableger von Gorgonien
Gorgonien können mit einer Zange oder einem scharfen Messer/Skalpell abgeschnitten werden.
Hier gibt es eine kleine Besonderheit...Da das Grundgewebe der Tiere unter der Klebemasse absterben würde (der Ableger würde nicht mehr halten), sollte die einzuklebende Stelle von Gewebe befreit werden. So können wir den Stiel des Tieres ohne Probleme an einem Ablegerstein mit Vertiefung mit Zweikomponentenkleber auf Epoxidharzbasis dauerhaft fixieren.



Ableger von Scheiben und Krustenanemonen
Krustenanemonen auf Steinen gewachsen...können mit einer Korallenzange/Dremel und einem scharfen Messer/Skalpell geteilt und auf Wunsch mit Zweikomponentenkleber auf Epoxidharzbasis auf einem Ablegerstein fixiert werden.
Krustenanemonen ohne oder mit wenig Substrat...können mit einem scharfen Messer/Skalpell geteilt und mit Sekundenkleber(Gel) auf einem Ablegerstein fixiert werden.
Bei beiden Varianten sollten wir versuchen, einzelne Polypen nicht zu verletzen. (wird nicht immer möglich sein)


Scheibenanemonen sollten nicht mechanisch geteilt und vermehrt werden. Hier empfiehlt sich die Tiere auf groben Bodengrund zu legen und Ruhe zu bewahren. Scheibenanemonen bilden Nachwuchs durch Abschnürungen an der Fußscheibe, die dann an kleinen Substratstücken anwachsen und so wiederum an Ablegersteinen fixiert werden können.
Eine Teilung mit dem Skalpell durch die Mitte der Mundscheibe wird im Netz beschrieben, ist aber nicht wirklich nett...und sollte vermieden werden. (finde ich!)


Sonstige
Leider gibt es auch Tiere, die sich aufgrund ihres Grundaufbaus/Skeletts nicht oder nur schlecht Teilen lassen.
Wenn diese Teilungen nicht perfekt durchgeführt werden, ist die Erfolgsquote leider auch sehr gering und ein Verlust des Tieres nicht ausgeschlossen. Daher würden wir gerade Neueinsteigern raten, hier auf Ableger zu verzichten.


Weitere Hinweise
Der Handel bietet verschiedenste Korallenkleber an. (Sekundenkleber, Gel, Riffmörtel, Zweikomponentenkleber auf Epoxidharzbasis......)

Zweikomponentenkleber auf Epoxidharzbasis gibt es von sehr vielen Herstellern. Diese Kleber unterscheiden sich meist in der Konsistenz, Härte, Farbe und Dauer der Aushärtung. Hier solltet Ihr Euch vorher informieren und an die Verarbeitungshinweise der Hersteller halten.

Sekundenkleber (Gel) eignet sich sehr gut, um kleinere Ableger (z.B.Krustenanemonen) auf Steinen zu fixieren.

Riffmörtel wird ähnlich wie Zweikomponentenkleber verarbeitet. Da Mörtel ein wenig Übung verlangt, gibt es zu Beginn öfter Probleme mit der Verarbeitung unter Wasser.
Herunterfallende Ableger, milchiges Wasser und Mörtelreste im Becken können die Folge sein.

Alle genannten Substanzen, zur Fixierung von Ablegern, können evtl. auch unter Wasser verarbeitet werden.
Hier bitte wieder die Angaben des Hersteller beachten!!!



Vielen Dank an Marcel Kleist, der mich heute tatkräftig unterstützt hat!!! ;-)